Virtuelles Wasser

Wie wir unbewusst Wasser importieren

„Wassersparen“ ist nicht gleich „Wassersparen“. Sparsamkeit fängt zwar beim Trinkwasserverbrauch in den eigenen vier Wänden an, hört dort aber noch lange nicht auf. Was viele unterschätzen oder erst gar nicht wissen, ist der Verbrauch von „Virtuellem Wasser“. Hier erfahren Sie in Kürze, was Sie dazu wissen müssen!

Haben Sie schon einmal etwas von Virtuellem Wasser gehört? Nein? Vielleicht ist Ihnen das Wort „Wasserfußabdruck“ geläufig? Auch nicht? Beide meinen ein und dasselbe: Sie geben an, wie viel Wasser ganzheitlich in den Produkten und in deren Herstellung steckt. Die verschiedenen Arten von Virtuellem Wasser lassen sich in die drei Kategorien „Grünes Wasser“ (Regenwasser), „Blaues Wasser“ (Gießwasser, Grundwasser) und „Graues Wasser“ unterteilen. Letzteres enthält die Menge an Wasser, die zur Neutralisation von durch uns Menschen verschmutztes Wasser aufgewandt werden muss (z.B. Düngerneutralisation). Somit kann man an den Produkten erkennen, wie hoch der tatsächliche Wasserverbrauch für das jeweilige Produkt ist. Was hat das aber mit unserem Wasserverbrauch zu tun? Die Antwort darauf ist recht einfach. Zwar ist Deutschland als starke Exportnation bekannt, nichtsdestotrotz importieren wir unzählige Waren aus dem nahen und weiter entferntem Ausland – und somit auch deren Wasser, das zur Herstellung verwendet wird.

Unsere Erdoberfläche ist zu 70 % mit Wasser bedeckt. Manche Regionen haben davon reichlich, in anderen herrscht extreme Dürre.

Eine Tasse Kaffee gefällig?
Neben dem Tasseninhalt stecken in einer Tasse Kaffee etwa 140 Liter Virtuelles Wasser, die zur Herstellung verwendet werden. Laut dem „Kaffeereport 2017“ konsumierten wir in Deutschland in 2016 etwa 55,5 Milliarden Tassen Kaffee, das sind etwa 1.760 Tassen Kaffee pro Sekunde! Verrechnet man diesen Wert mit dem verbrauchten Virtuellen Wasser pro Tasse, so erhält man einen Wasserverbrauch in Höhe von 246.400 Liter – ebenfalls pro Sekunde. Es gibt natürlich auch weitere Beispiele wie z.B. Autos (300.000 Liter pro Auto) oder Tomaten (35 Liter pro kg), die auch ordentlich zu Buche schlagen.

1 kg Tomaten bindet 35 Liter Wasser. Das mag zunächst nicht nach allzu viel klingen, doch die Menge macht hier den Unterschied; In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Konsum bei etwa 25 kg.

Doch ist jedes Produkt, das über Grünwasser hinaus Wasserressourcen bindet, sofort negativ behaftet? Und wenn ja: Was kann man als Otto-Normal-Verbraucher tun, um dem entgegenzuwirken? Es ist nicht jedes Produkt sofort „schlecht“, es gibt aber „bessere“ und „schlechtere“. Besonders negativ sind die Folgen von zu hohem Wasserverbrauch zum Beispiel dann, wenn durch die Produktion bestimmter Güter das Trinkwasser in bereits ohnehin wasserarmen Regionen verschmutzt wird. Ein konkretes Beispiel für Negativfolgen, sowohl für die Bevölkerung als auch für die Umwelt, ist der Mandelkonsum hierzulande. Der Großteil kommt aus Kalifornien, wo es in den vergangenen Jahren starke Trockenperioden gab, die zu großflächigen Bränden führten. Ein Kilogramm Mandeln bindet über 10.000 Liter Blau- und Grauwasser. Verständlich, dass in Kalifornien immer wieder Kritik am Mandel- bzw. Hülsenfrüchte-Export aufkommt. Hier kann man als Konsument beispielsweise auch auf Mandeln aus Spanien zurückgreifen. Auch in der Türkei werden diese hergestellt und exportiert. Was also hilft, ist zum einen ein bewusster Konsum, zum anderen die Unterstützung regionaler Produkte, um Frachtwege kurz zu halten und somit auch Transparenz bei der Herstellung, der damit verbundenen Arbeits- und Umweltbedingungen sowie dem Lieferweg zu gewährleisten. Die Umwelt und die Bewohner der betroffenen Regionen werden es uns danken.

Quellen:
TECE Magazin 02/2018 › Zur PDF
Tchibo Kaffeereport 2018 › Zur PDF
VirtuellesWasser.de › Zur Website
Planet-Wissen.de › Zur Website

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